Chrudim ist die größte Stadt des Touristengebiets um Chrudim und Hlinsko. Es liegt an der Grenze des Eisengebirges und der Elbniederung, ca. 10 Kilometer südlich der Bezirksstadt Pardubice.
Die Stadt Chrudim hat in dem weltweiten, prestigeträchtigen Wettbewerb UNEP (Lebensraumprogramm der UNO), in dem Städte ausgezeichnet werden, in denen es sich auszahlt zu leben, zweimal den „Goldenen Preis LivCom Awards“ gewonnen.
Die Stadt kann sich einer der größten städtischen Denkmalzonen in Ostböhmen rühmen. Es hat eine erhaltene mittelalterliche Struktur mit einer hinsichtlich Denkmalwert bedeutenden Bebauung mit alten Festungswerken. Der historische Kern fungiert weiterhin als Stadtzentrum.
Zu den schönsten Dominanten gehört die dreischiffige neugotische Erzdekankirche Mariä Himmelfahrt, weiterhin das Mydlář-Haus, ein monumentales Renaissance-Objekt mit Arkadenfront, ausgeschmückt mit allegorischen Reliefs. In ihm ist heute das weltbekannte Marionettenmuseum untergebracht. Weiter gehört zu den Dominanten der Museumsgebäudekomplex mit einem der schönsten Säle in der Tschechischen Republik. Chrudim ist eine der königlichen Leibgedingstädte und wird das Athen Ostböhmens genannt.
Chrudim lässt sich auch als „Tor zum Eisengebirge“ bezeichnen.
Liebhaber der aktiven Erholung schätzen mit Sicherheit den städtischen Naherholungspark „Na Podhůře“ mit einem Kletterwald, einem Aussichtsturm und weiteren Attraktionen. Er befindet sich direkt am Rand des Landschaftsschutzgebiets Eisengebirge.
Erste Erwähnung? In der „Chronik der Böhmen“ des Cosmas von Prag
Wissen Sie, wann die erste befestigte Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Stadt Chrudim entstanden ist? Schon vor sechs oder sieben Tausend Jahren! Archäologische Forschungen haben zu Tage gebracht, dass dies nordöstlich vom heutigen Zentrum, auf einer Anhöhe genannt Pumberky geschah. Eine sehr dichte Besiedlung ließ sich auch in der Zeit der sog. Lausitzer Kultur beobachten, d.h. in den Jahren 1200-900 vor Christus. Alles spricht dafür, dass Chrudim damals der Mittelpunkt eines größeren Bezirks war, ebenso wie während des Aufenthalts der Kelten (vom fünften Jahrhundert v. Chr. bis zur Zeit um Chr.). Zu dieser Zeit stellte es wahrscheinlich das Umfeld eines großen Oppidums dar. Dies befand sich auf dem Gebiet des Ortes Hradiště u Českých Lhotic ca. zehn Kilometer südlich von Chrudim.
Nach der Ankunft der Slawen im 7.-8. Jahrhundert n. Chr. wuchs am Fluss Chrudimka eine befestigte Burganlage, die zu einem wichtigen Verwaltungszentrum des frühen böhmischen Staates wurde. Und wann registrieren wir die erste schriftliche Erwähnung Chrudims? Sie wird auf das Jahr 1055 datiert, als hier nach der „Chronik der Böhmen“ des Cosmas von Prag am 10. Januar der Fürst Břetislav I. auf seinem Zug nach Ungarn umkam.
Mitgift für die Königinnen
Eines der bedeutendsten Geschehnisse in der Geschichte Chrudims war das Entstehen der königlichen Stadt. Přemysl Otakar II. gründete sie irgendwann vor 1276. Wo? An der Stelle der ursprünglichen Burganlage. Zur damaligen Zeit hatte sie eine ideale Lage. Sie lag an dem Landweg von Prag nach Mähren, was verständlicherweise ihre Bedeutung erhöhte und ihre Entwicklung unterstützte. Auch deswegen gehörte Chrudim im Hochmittelalter zu den vordersten Städten im böhmischen Königreich. Von 1307 an war es auch sehr attraktiv für die besseren Hälften der böhmischen Herrscher. Mit gewissen Unterbrechungen befand es sich nämlich unter den königlichen Leibgedingstädten. Diese dienten den Königinnen als Einnahmequellen, und dies bis zum Ende der Habsburger Monarchie im Jahr 1918.
Athen Ostböhmens
Nicht immer jedoch erlebte die Stadt gute Zeiten. Oft griffen in ihr Leben Epidemien ein, Hungersnöte oder Naturkatastrophen. Belegt sind zum Beispiel Brände der Burganlage im 11. und 12. Jahrhundert. Ein ähnliches Schicksal erreichte Chrudim auch kurz nach der Gründung der Stadt im Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
Zu Anfang der Hussitenkriege (in den Jahren 1419-1434) stellte sich Chrudim gegen die Katholiken. Die deutsch sprechenden Einwohner mussten die Stadt verlassen. Seit dieser Zeit ist sie ein beinahe ausschließlich tschechisches Gebiet.
Während der erfolglosen Ständerevolten in den Jahren 1547 und 1618-1621 grenzte die Stadt sich auch gegen die regierenden Habsburger ab, was für sie immer ernsthafte Folgen hatte. Eine schwere Wunde fügte ihr auch der dreißigjährige Krieg (1618-1648) zu. Während seines Verlaufs mussten sich von Chrudim diesmal wegen der Re-Katholisierung die Evangelischen verabschieden.
Große Katastrophen bedeuteten für die Stadt auch der Brand zweier Vororte, der am 6. August 1850 ausbrach, sowie auch einige Überschwemmungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Im 18. und 19. Jahrhundert wandelte sich Chrudim zu einem ruhigen Provinzstädtchen. In das 21. Jahrhundert trat das „Athen Ostböhmens“ allerdings als ein modernes Regionalzentrum ein, mit vielen wertvollen und erhaltenen Denkmälern, mit umfangreichen Einrichtungen für seine Bürger und einem reichen gesellschaftlichen Leben.
Berühmt gewordene Chrudimer
Zu den bedeutendsten gebürtigen Chrudimern gehören der humanistische Gelehrte Viktorin Kornel ze Všehrd, der Renaissance-Dramatiker, Schauspieler, Regisseur und Direktor des Prager Ständetheaters Jan Nepomuk Štěpánek oder auch der Erfinder der Schiffsschraube Josef Ressel.
Die reiche Geschichte der Stadt spiegelt sich vor allem in ihrer beachtenswerten Architektur wieder. Der bedeutendste Bau, dessen sich Chrudim rühmen kann, ist die Erzdekanskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Ressel-Platz.
Kirche von Katastrophen verfolgt
Als eines der prachtvollsten Chrudimer Objekte hat sie eine sehr abwechslungsreiche, aber nicht allzu glückliche Vergangenheit. Seit ihrer Errichtung (sie wurde offensichtlich schon vor der Entstehung der Stadt im 13. Jahrhundert erbaut), verfolgten sie verschiedene Katastrophen - vom Blitzschlag über den Brand bis zum Einsinken der Decken.
Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus einem Schriftstück des Prager Erzbischofs Ernst von Pardubitz aus dem Jahr 1350. Die äußere Gestalt der Kirche hat sich wesentlich verändert. Sie durchlief ausgedehnte Umbauten der beiden Türme, die ihre Hauptdominante darstellen. Der letzte Umbau, der ihr in den Jahren 1857-1879 ihre heutige neugotische Gestalt aufdrückte, trägt die Handschrift des aus Chrudim gebürtigen František Schmoranz sen.
Der Stolz der Kirche ist das Bildnis des Heiligen Erlösers (St. Salvator) über dem Hauptaltar. Dieses geistliche Symbol der Stadt ist auch dank einer Legende interessant, aufgrund derer in der Vergangenheit häufig verschiedene Prozessionen aus allen Ecken Böhmens Richtung auf sie nahmen. Sie handelt hauptsächlich von seinen Heil- und Wunderfähigkeiten.
Ein beachtenswertes Kulturdenkmal ist ebenso die St. Katharinen-Kirche in der Havličková-Straße. Ursprünglich ein gotischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, hat sie ihre Gestalt grundlegend in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts geändert. Dann, als sie ein Brand erfasst hatte, wurde sie 1850 in ihre heutige Form umgestaltet. Nach der Kirche wird heute die ganze untere Stadt „Kateřinské“ benannt. Ihre Umgebung durchlief in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts grundlegende Umbauphasen - vor allem kam es zu ausgedehnten Abbruch- und Aufbauarbeiten.
Park anstelle des Friedhofs
Die St. Michael-Kirche in den Ziegler-Anlagen stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ihr spätgotischer Charakter ist bis heute gut erhalten geblieben. Ein Teil der Ausstattung, wie z. B. der Altar und die Inschriften, stammt aus dem 16.-18. Jahrhundert. Eine eigenständige Erinnerung an die Vergangenheit stellen auch einige Dutzend Renaissance-Grabsteine im Mauerwerk der Kirche dar. Der Friedhof, der dieses Gebäude früher umgab, wurde 1881 aufgelöst und später in einen Park umgewandelt. In diesem sind Statuen der Jungfrau Maria und Jesu Christi aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgestellt.
Hinter der Stadtmauer wurde im 17. Jahrhundert ein Kapuzinerkloster mit der St. Josef-Kirche erbaut, um das sich die Sage über das bekannteste Chrudimer Gespenst windet - den kopflosen Kapuziner. Die Mönche verließen das Kloster nach 1948. Die St. Josef-Kirche auf dem Schulplatz stellt einen einfachen einschiffigen Bau dar, in dem momentan das Projekt eines Museums barocker Statuen realisiert wird.
Über die älteste Geschichte der Kirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes haben wir zwar keine Informationen, aber es wird vorausgesetzt, dass ihre Gründung in der Siedlung stattfand, die aufgrund archäologischer Befunde schon der romanischen Zeit zugeordnet wird. Im Übrigen wurde im Bereich um die Kirche spätestens vom 11. Jahrhundert ab begraben. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 14. Jahrhundert. Repariert wurde sie hauptsächlich im 19. Jahrhundert, als in ihre Mauern Renaissance- und Barock-Grabsteine eingelassen wurden. Die Ausstattung stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert.
Die St. Markus-Kirche wurde im Ortsteil Markovice im Barockstil im 18. Jahrhundert erbaut. Dieses einschiffige Gebäude ist überwiegend mit einer Einrichtung aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestattet.
Die heute schon nicht mehr existierende Kirche des Heiligen Johannes des Täufers befand sich da, wo heute die Bank Komerční Banka steht - in der Široká-Straße (Nr. 83/IV). Ursprünglich gehörte sie zum Spital für Arme und Kranke, das vor dem Unteren Stadttor an der Brücke über die Chrudimka entstand. Sie stammt offensichtlich aus dem 14. Jahrhundert. Bei ihr befand sich der Spitalfriedhof mit einem Beinhaus. Die Josephinischen Reformen hatten ihre Auflösung zur Folge. 1788 wurde das Gebäude verkauft. Ab 1801 diente es als Theater. 1929 wurde es endgültig abgerissen. Trotzdem wird bis heute der der ehemaligen Kirche anliegende Teil Chrudims als Johannes-Vorstadt (Janské předměstí) bzw. „Jansko“ bezeichnet.
Chrudim kann sich eines unerschöpflichen Angebots an Museen und Galerien rühmen. Das am von allen bekannteste „Marionettenkultur-Museum“ wurde am 2. Juli 1972 feierlich eröffnet. Hauptsächlich ist dies der Verdienst des unermüdlichen Organisators des Marionettenlebens, der Praktikers und Theoretikers, Historikers, Pädagogen und Sammlers Prof. PhDr. Jan Malík (1904-1980). Seine Privatsammlung wurde zur Grundausstattung der Museensammlungen, die aktuell über 40.000 Gegenstände zählen. Mehr als 8.000 von ihnen sind Marionetten aus verschiedenen Ländern der Welt. Diese werden alljährlich Anfang des Sommers von den Besuchern des berühmten Festivals „Loutkářská Chrudim“ bewundert.
Berühren erlaubt!
Der Teil der ständigen Ausstellung im Erdgeschoss des Museums, der den interessierten Besucher mit der Geschichte der tschechischen Marionettenkunst bekannt macht, ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. An anderen Stellen sind traditionelle Marionetten der böhmischen Wandermarionettenspieler aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen, des weiteren serienmäßig hergestellte Marionetten für Familientheater, Lumineszenztheater und Vorzeigemarionetten aus der ganzen Welt.
Zum Stolz der berühmten Chrudimer Einrichtung gehört auch ein Spielsalon mit Marionetten, dessen Motto die Parole ist: „Berühren erlaubt!“. Die Besucher können hier eigenhändig ausprobieren, wie man ein Marionettentheater spielt.
Teil des Museums ist auch eine Galerie, wo kurzzeitige Ausstellungen organisiert werden, die nicht immer nur mit Marionetten in Verbindung stehen.
Der erste und anfangs einzige Standort des Museums, das Dokumente zur Entwicklung der tschechischen und Weltmarionettenkultur sammelt und ausarbeitet, wurde das herrliche Renaissancegebäude „Mydlář-Haus“ in der Břetislav-Straße. Dieses ließ der Chrudimer Bürger Matěj Mydlář in den Jahren 1573-1576 umbauen.
Dem Regionalmuseum in Chrudim dient heute ein Neo-Renaissance-Gebäude in der Široká-Straße Nr. 86 und auch das Gebäude mit der Nr. 10 in der Rybičková-Straße sowie ein Objekt am Rand der Stadt. Das Neo-Renaissance-Gebäude wird für Expositionen, Ausstellungs- und Betriebszwecke benutzt sowie für die weitere Kulturerziehungstätigkeit des Museums. Es wurde 1892 als Industriemuseum für Ostböhmen in Chrudim gegründet. Die Anfänge des Musealwesens reichen jedoch bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. 1865 wurde ein Museumsverein gegründet, der mit seiner Tätigkeit (ebenso wie das Museum) das Schulwesen, die Entwicklung des Handwerks und der Industrie unterstützte.
Wohin mit ihnen?
Das Museum erweiterte die Sammlungen gleich auf verschiedene Art. In seinen Anfängen überwogen Spenden, was lokale und einige „auswärtige“ Einwohner als ihre eigene Ehre ansahen. Einige „Stücke“ waren oft in Wirklichkeit Unikate - einschließlich der Sammlungen von außerhalb des Bezirks -, und dies kunsthandwerklichen, aber auch heimatkundlichen und naturwissenschaftlichen Charakters.
Von Anfang der Existenz des Museumsvereins und des Museums selbst an hat sich jedoch unaufhörlich ein Problem wiederholt - wo die Sammlungen unterbringen? Als die Situation sozusagen unlösbar war, entschied 1895 die Stadtvertretung, dass für die Bedürfnisse der Stadt ein würdiges Zelt erbaut werden sollte. 1897 wurde der Bau des ersten der beiden Museumsgebäude in der Široká-Straße im damals modernen Neo-Renaissance-Stil aufgenommen. Vollendet wurde er im Jahr 1898. Noch im selben Jahr startete der Bau des neobarocken Gebäudes mit einem großen Gesellschaftssaal mit Restaurant und umgebenden Räumlichkeiten, die gegenwärtig von der Chrudimer Volksakademie genutzt wird, der Kulturorganisation der Stadt Chrudim. 3 Jahre später war er fertig.
Die Aufmerksamkeit des Besuchers verdient sich außer den Sammlungen des Regionalmuseums, das heute mehr als 100.000 Gegenstände aus verschiedenen Bereichen besitzt, vor allem der wunderschöne Konzertsaal. Nicht zu vergessen werden dürfen ebenfalls die außerordentliche Kunstverzierung beider Gebäude sowie drei Kunstdenkmäler, die sich in ihrem Innern befinden - zwei gotische und ein Renaissance-Portal.
In dem neobarocken Gebäude ist auch das Kabinett ex libris untergebracht, das Teil des Denkmals des Nationalschrifttums ist. Es besitzt eine ausgedehnte Sammlung von ungefähr 120.000 Exlibris, aus deren Fundus es Ausstellungen in der ganzen Tschechischen Republik und im Ausland organisiert. Es richtet auch eine Triennale ex libris aus, und dies als die bedeutendste Übersicht neuer tschechischer Exlibris in den jeweils verflossenen drei Jahren.
Auf dem Chrudimer Ressel-Platz kann man die Galerie ART finden. Es handelt sich um eine reale (aber auch virtuelle) private Verkaufsgalerie bildender Kunst. In ihr werden Werke der tschechischen und europäischen graphischen Moderne des 20. Jahrhunderts sowie gegenwärtige tschechische Maler und Bildhauer präsentiert.
Interessante Ausstellungen werden auch regelmäßig im grauen Haus auf dem Platz „U Vodárny“ Nr. 138 in den Ausstellungsräumen „Pod Širokými schody“ durchgeführt. Der Eintritt ist gewöhnlich frei. Nach den Vernissagen folgt meist auch ein thematisch ausgerichteter Vortrag.
Werke bedeutender und beginnender Künstler kann man in Chrudim auch in den Ausstellungsräumen des Karel-Pippich-Theaters betrachten. Dieses Gebäude, das in den Jahren 1931-1934 im Stil des zivilen Konstruktivismus erbaut wurde, findet man in der Straße „Čs. partyzánů“. Es wurde am 18. Februar 1934 feierlich mit der Smetana-Oper Libuše in der Darbietung Chrudimer Amateure eröffnet. Bis 1992 schmückte die Front des Theaters das Original einer Musenstatue aus der Komödie Thalia. Diese ist aktuell vor der Kunstgrundschule aufgestellt. Das Theater trägt den Namen des bedeutenden Musikers, Theaterfachmanns, Regisseurs und Sängers Karel Pippich (1849-1921).
Nicht nur der Fluss Chrudimka, der durch Chrudim fließt, sondern auch an diesen angeschlossene Wassergräben, bedeuteten über viele Jahre eine wichtige Quelle an Wasser und Energie für die Betreibung verschiedener Einrichtungen. Gleichzeitig ging es auch um ein interessantes ästhetisches Element, das zu einem beliebten Ziel nicht nur Erwachsener, sondern auch von Kindern bei ihren Vergnügungen wurde.
Das Wassergrabensystem in der Stadt existierte offensichtlich schon im 15. Jahrhundert. Damals waren an dieses Mühlen, Hammerwerke, Walken, Schleifereien und Wasserwerke angeschlossen, vom westlichen Anfang der Stadt (Vlčí hory - Wolfsberge) bis zu ihrem östlichen Ende (Májov).Die Wassergräben dienten auch als kleine Ausgleichrinnen bei Überschwemmungen, auch wenn ihre Überschwemmung verhindernde Bedeutung angesichts der niedrigen Durchflusskapazität gering war. Die Gräben entstanden in den Verläufen der Seitenarme des Wasserflusses, der sich hier noch im Mittelalter auf natürliche Weise verästelte. Seine Ausprägung veränderte sich bei den Überschwemmungen oft.
Der längste Graben zweigte von der Chrudimka nahe dem heutigen Stadion Emil Zátopek ab, dort, wo sich die Straße Na Sádkách mit der Koželužská-Straße kreuzt, und das in zwei Arme. Diese vereinigen sich dann wieder bei dem heutigen Karel-Pippich-Theater.
Während des 20. Jahrhunderts wurden die Gräben der ehemaligen Mühlen Klobásov, Valcha, Hrkačka (also das ganze Teilstück von der Koželužská-Straße über die Straße Čs. partyzánů) und der Podfortenský-Mühle (Teilstück entlang der heutigen Lázeňská-Straße) zugeschüttet oder übergeführt in abgedeckte Kanäle. Der Graben der Malý-Mühle in der heutigen Straße Obec Ležáků wurde während der sog. Regulierung aufgelöst.
Erste Grabenrevitalisierung in der Republik
Um die ökologische und ästhetische Funktion der Gräben zu verbessern, wurde vor kurzer Zeit eine umfangreiche Reparaturarbeit durchgeführt. In der Tschechischen Republik handelte es sich sogar um die überhaupt erste komplexe Wassergrabenrevitalisierung mit räumlich begrenzten Bedingungen eines bebauten Areals.
Auch heute bietet die Blaue Achse eine Reihe an Teilstücken, wo man den ursprünglichen Charakter des Grabens erkennt. Da ist z. B. ein Erdgraben umschlossen von Uferwänden, ggf. an der einen Hälfte eines Erdhangs. Jeder kann sich vergnügen und sich gleichzeitig der Vorstellung hingeben, wie einst wohl das im Graben „eingebundene“ Wasser in all die Mühlen und weiteren Einrichtungen trieb.
Das Mühlengewerbe gehörte in Chrudim übrigens zu den ältesten und wichtigsten. Seit dem 15. Jahrhundert sind in der Stadt verlässlich insgesamt 11 Mühlen belegt. Die meisten von ihnen wurden allerdings schon vor dem 2. Weltkrieg aufgelöst.
Im 21. Jahrhundert hielt die Mühle „V Janderově“ an der Tradition fest. Sie wird auch als „Štěrbovský-Mühle“ bezeichnet. Sie existierte offensichtlich schon vor den Hussitenkriegen, aber ihre erste schriftliche Erwähnung stammt erst aus dem Jahr 1570, als die Familie Štěrba sie erwarb. Während des dreißigjährigen Krieges wurde sie von den durchziehenden Heeren völlig zerstört, sie muss spätestens bis 1663 wieder neu aufgebaut worden sein. 1732 wurde Antonín Ondřej Jandera ihr Besitzer, nach dem die Mühle bis heute genannt wird. Ihr modernes Aussehen erwarb sie in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. 1934 wurde ihr Dampftriebwerk in ein elektrisches umgerüstet. Nach dem November 1989 wurde sie im Rahmen der Rückerstattung der Familie Benešov zurückgegeben, die sie zuerst schon im Jahr 1911 in ihrem Besitz hatte.
Bedeutend war auch die Klobásov-Mühle, auch „Rakovský“-Mühle genannt, über die zum ersten Mal im Jahr 1446 berichtet wird. Ihre ursprüngliche Funktion verlor sie nach einem Brand im Jahr 1928, als das Ehepaar Kolovratník sie dann teilweise in Wohnungen umbaute. Nach dem Krieg befand sich hier kurzzeitig eine Schweinemastanlage. Später überließ das Gebäude sein dazugehöriges Grundstück dem benachbarten Eisstadion.
Und die sog. Valcha (Walke)? Die diente ursprünglich nicht als Mühle. Ab 1668 bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte sie der Tuchmacherzunft, die hier - natürlich - das Walken betrieb. Zur Mühle baute sie Jan Hvížďala in den Jahren 1862 / 1863 um. 1932 wurde jedoch das Gebäude, das auf dem Grundstück des heutigen Schwimmbads stand, abgerissen. An seiner Stelle entstand ein Restaurant. Aktuell hat hier heute die lokale Organisation des tschechischen Fischerverbands seinen Sitz.
Die Podkopanický-Mühle, die sich unter dem Haupttor bzw. dem Fischer-Viertel (Rybářská čvrť) befindet, besaß unter anderen ab 1587 Matěj Mydlář. 1932 wurde sie mit einer Francis-Turbine ausgestattet, aber 1945 kaufte sie in einem verwüsteten und zerstörten Zustand der Unternehmer Jan Ficek aus Chotěboř. Er richtete sich hier eine Werkstatt für Möbel und weitere Holzwaren ein.
Hrkačka sogar im Roman
Die Hrkačka-Mühle (auch Hlaváčovský-Mühle) ist auch deswegen interessant, weil sie 1850 vom Ehepaar Šmahel erworben wurde, den Vorfahren der Schriftstellerin Helena Šmahelová. Diese beschrieb ihre Schicksale in einem Teil ihrer bekannten Roman-Trilogie. 1912 brannte die hölzerne Mühle bis auf die Fundamente ab und wurde seit dieser Zeit nicht wieder aufgebaut.
Die Polívkův-(oder auch Koželužský-, Tříselný-, Mikšovský- oder Papouškovský-) Mühle wurde nach den Hussitenkriegen an eine Tuchmacherwalke angebaut. Und warum Koželužský? Vom Anfang des 18. Jahrhunderts an bekam sie diesen Beinamen vor allem deshalb, weil sich nicht weit von ihr entfernt ein Hammerwerk zum Schlagen von Leisten für die Gerber befand. Obwohl das Objekt 1932 teilweise in Asche gelegt wurde, betrieb František Plecháček es noch 1951. Danach, als die Mühle aufgelöst worden war, arbeitete hier die Kreisstelle für Vorbereitungen landwirtschaftlicher Investitionen und danach ein Zuchtbetrieb. Nach der Renovierung des Gebäudes kaufte es ein Privatbesitzer, der es 2003 für kommerzielle Zwecke umbaute. Zwei Jahre vorher war hier ein Wasserrad installiert worden.
Die Sportareale der Stadt Chrudim bieten eine bunte Skala sportlicher Betätigungsmöglichkeiten für die ganze Familie. Liebhaber von Wassersportarten kommen auf ihre Kosten in einem überdachten Schwimmbad mit ganzjährigem Betrieb, einem Sommerbad oder einer Sauna. Eisläufern, Hockeyspielern und Eiskunstläufern steht das Eisstadion zur Verfügung, das außerhalb der Saison Inline-Aktivitäten als Grundlage dient - konkret Rollschuhlauf und Hockey. Außerdem fehlt auch nicht ein Fußballstadion sowie ein Verkehrsgarten für Kinder.
Über 100.000 Badegäste jährlich!
Das überdachte Schwimmbad ist die überhaupt am besten besuchte Einrichtung des gesamten Komplexes an Sportstätten, die die Sportanlagen der Stadt Chrudim betreiben. Es heißt jährlich mehr als 100.000 Badegäste willkommen. Hier arbeiten professionelle Schwimmmeister, unter deren Leitung man einige der vielen Schwimmkurse absolvieren kann. Sehr beliebt ist hier auch ein Schwimmunterricht für Säuglinge und Kleinkinder.
Da es einen barrierefreien Eingang hat, wird hier regelmäßig auch die Schwimm-Meisterschaft der körperlich Behinderten der Tschechischen Republik ausgetragen.
Das Sommer-Freibad heißt seine ersten Besucher gewöhnlich im Mai willkommen. Die letzten kommen im September. Auch an den wärmsten Tagen bietet es eine willkommene Erfrischung in einigen rostfreien Becken an. Nicht nur Kinder freuen sich hier an einer ganzen Reihe von Wasserattraktionen.
Eine Sauna ist seit 1999 in Betrieb. Jährlich finden hierher mehr als 12.000 Menschen ihren Weg. Sie ist von September bis Juni zugänglich. Außer dem Saunaraum mit einer Kapazität von ca. 20 Personen verfügt sie auch über ein Abkühlbecken sowie Duschen für eine gründliche Reinigung. Man findet hier auch einen Ruheraum, einen Herren-, Damen- und gemeinsamen Umkleideraum und selbstverständlich ein WC.
Das Eisstadion bietet seine Fläche hauptsächlich für die klassischen Eissportarten, wie Hockey, Eiskunstlauf oder Eislaufen nur zur Erholung an. Außerhalb der Hauptsaison, die von September bis Ende März dauert, verwandelt sich die Eisfläche in ein Paradies für Inline-Sportler: Hockey oder Rollschuhlauf.
Das Fußballstadion Chrudim SK Novoměstská ist im Besitz der Stadt seit 2004. Hier ist der Fußballclub SK zu Hause. Die örtlichen Grund- und Mittelschulen sowie das Haus der Kinder und Jugendlichen benutzen es ebenso.
Einer Erwähnung wert ist auch das Areal AFK Chrudim. Dort findet man einen Fußballplatz mit einer Leichtathletikbahn und einen Hartplatz. Letzterer wird vor allem in den Wintermonaten reich benutzt.
Quads und Minibike als Hit
Ein Verkehrsgarten für Kinder hat vor allem die Verkehrserziehung von Schülern zum Ziel. Es hält einige Dutzend Fahrräder bereit - von den kleinsten für Radanfänger bis zu den großen für Schüler der letzten Klassen der Grundschulen. Zur großen Attraktion wurden Quads und ein Minibike. Auch dank dieser Gefährten, die man hier zu sehr günstigen Preisen ausleihen kann, können Kinder hier ungezwungen und in Form von Spiel und Spaß die Schutzregeln des Straßenverkehrs lernen. In den Nachmittagstunden ist der Verkehrsgarten auch der Öffentlichkeit zugänglich, so dass hier jedes Kind seine Geschicklichkeit und Kenntnisse auf diesem Gebiet vor der Übertragung in den Realverkehr überprüfen kann.
In der Nähe des Schwimmbads und des Eisstadions befinden sich auch eine weitere Sportanlage, die hauptsächlich für Jüngere bestimmt ist - ein Skatepark. Er ist frei zugänglich, so dass Interessenten ihr Skateboard direkt mitnehmen und auf dem örtlichen Areal ausprobieren können. Spaß lässt sich hier wirklich genug erleben.
Die städtische Denkmalzone mit einer Fläche von 52 Hektar ist eine der größten und am besten erhaltenen seiner Art in Ostböhmen. Auf dem Stadtgebiet Chrudims sind aktuell 98 Gebäude als achtenswert in die Liste der als Kulturdenkmäler geführten Immobilien eingetragen, wobei 60 von ihnen zum Besitz der Stadt gehören.
Seit dem Jahr 1995 ist Chrudim in das Programm der Erneuerung städtischer Denkmalreservate und –zonen eingegliedert. Dieses Projekt setzt auch erfolgreich das in die Tat um, wofür Chrudim im Jahr 2002 von der Vereinigung historischer Siedlungen Böhmens, Mährens und Schlesiens für den Titel „Historische Stadt des Jahres 2002“ nominiert wurde.
Zur städtischen Denkmalzone gehört außer dem Museumsgebäudekomplex, der die „Schlagader“ des Chrudimer kulturellen Lebens ist, der Erzdekanskirche Mariä Himmelfahrt, der Kirchen St. Josef, St. Michael und St. Katharina, dem Mydlář-Haus und der ehemaligen Polívkův- (Koželužský-) Mühle auch das Alte Rathaus.
Dieses schmückt den Ressel-Platz von der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts an. Zu seinem aufwändigen Umbau einschl. der Anfertigung von Aufschriften im Erdgeschoss und der Überwölbung der Fortenská-Straße kam es um das Jahr 1560. Die Barockfassade bekam es 1720. Die Statuen Iustitia und Caritas kamen nach dem Brand von 1806 hinzu, die Uhr 30 Jahre später. Außer der Stadtverwaltung war hier seinerzeit das Stadtarchiv untergebracht, das Gefängnis, die Folterkammer, das Schießpulverdepot, das Kreisgericht, eine Nähschule sowie das Polizeiamt.
Auf dem Ressel-Platz befindet sich ebenso die barocke Sandsteinsäule der Verwandlung des Herrn mit einem Brunnen. Im mittleren Anteil der 18 m hohen Säule stellt sich Jesus, begleitet von Mose und Elia den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes als der Sohn Gottes vor. Auf der Spitze der Säule ist Gott, der Vater, dargestellt, auf Jesu Kopf der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube. 12 Figuren gegen die Pest und weitere Patronen im unteren Teil der Säule bilden die heilige Begleitung.
Ein bewegtes Schicksal
In die städtische Denkmalzone wurde auch das ehemals gotische Khom-Haus mit einem Renaissance- und Empire-Portal eingereiht. Die Fassade stammt, ebenso wie die Statue der Jungfrau Maria, aus der Zeit des Barock. Schriftlich belegt ist das Haus seit dem Jahr 1546. Wir finden es auch auf der ältesten Abbildung des wichtigsten Chrudimer Platzes aus dem Jahr 1587. Die Namensgebung wird von der Familie Khom abgeleitet, die es im Jahr 1868 erwarb. Das Objekt hat eine außergewöhnlich bewegte Geschichte. 1588 z. B. wurde sein Besitzer von einem Blitz erschlagen. Eine Explosion, zu der es im Jahr 1910 im Keller kam, forderte zwei Menschenleben.
Das bürgerliche Rozvod-Haus mit einem gotischen Kern, Renaissance-Elementen und einer Empire-Fassade mit allegorischen Themen und figuralem Schmuck ist schriftlich belegt seit dem Jahr 1592. Während des dreißigjährigen Krieges wurde es sehr verwüstet. Seine jetzige Gestalt stammt aus der Zeit des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert. Seinen Namen bekam es von der Familie Rozvod, die es in den Jahren 1787-1889 bewohnte.
Zu den in die städtische Denkmalzone eingereihten Häuser gehört auch das Kulturdenkmal auf dem Masaryk-Platz - das Wiesner-Haus. Die ersten schriftlichen Äußerungen über den Vorgänger des heutigen Objekts führen uns bis zum Jahr 1599 zurück. In der Vergangenheit siedelte hier eine Reihe adliger Familien. Im Jahr 1742 verweilte hier sogar der preußische König Friedrich II. der Große. Im Jahr 1871 erwarb es der Fabrikant František Wiesner und ließ es nach einem Plan von František Schmoranz jun. in seine gegenwärtige klassizistische Gestalt umbauen.
Es wertvolles Kulturdenkmal ist auch das Geburtshaus von Josef Ressel in der Široká-Straße, wo der Erfinder der Schiffsschraube seine Kindheit verlebte, und auch das Haus eines der Direktoren des Prager Prozatim-Theaters Jan Nepomuk Štěpánek. Dieses ursprünglich gotische, dann im Renaissancestil umgebaute bürgerliche Haus mit einer klassizistischen Fassade befindet sich in der jetzigen Štěpánková-Straße.
In dieser liegt auch das „Mäuseloch“ oder Dunkle Pforte. Diese ist ein an der Südseite der Stadtmauer gebildeter enger, überwölbter Durchgang zwischen den Häusern mit der Nummer 85/I und 86/I. Diese Pforte wurde nachträglich im 15. Jahrhundert auf Kosten des Hauses Nr. 85/I eingerichtet. Im Jahr 1439 wird sie in schriftlichen Quellen als die „Neue“ erwähnt.
Die sog. Pardubitzer Pforte diente neben dem Cereghetti-Haus als Tor für Fußgänger. Die erste Erwähnung wird auf das Jahr 1459 datiert. Von der Außenseite wird es durch einen Barbakan (heute ist es das Haus mit der Nummer 98/VI) ergänzt. Im Erdgeschoss des Cereghetti-Hauses, das seine Geschichte schon im 14. Jahrhundert zu schreiben anfing, befindet sich ein Saal mit einer durch Stuckwerk reich verzierten Decke wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Offensichtlich handelt es sich um das Werk des Malers Josef Cereghetti und des Stuckateurs Ignác Cereghetti.
Reizender Winkel
Kulturdenkmäler zieren auch den Žižka-Platz - und zwar der Neustädter Brunnen aus dem Jahr 1873, mit Barockstatuen aus der ehemaligen Brüstungsmauer der Erzdekanskirche Mariä Himmelfahrt, und das Haus „Na Puši“. Von diesem wird erstmalig 1688 berichtet. Interessant an ihm ist, dass es an die Stadtmauer der Chrudimer Neustadt des 15. Jahrhunderts angebaut wurde. Teil des Hauses ist auch ein Turm. Ursprünglich handelte es sich um einen Wasserturm im Renaissancestil, von dem aus das Wasser in die Stadt und später auch in das Kapuzinerkloster verteilt wurde.
In den Wasserturm Na Puši wurde das Wasser vom sog. Alten Wasserwerk gepumpt, das 1670 erbaut wurde. Das Objekt mit einem barocken Kern bekam seine gegenwärtige neugotische Gestalt im Jahr 1852. Auf dem Platz „U Vodárny“, der einer der reizendsten Winkel der Stadt ist, befindet sich auch das unter Denkmalschutz stehende Objekt des klassizistischen Hauses mit der Nummer 138/II mit ursprünglichen Toren und erhaltener innerer Komposition.
Zur städtischen Denkmalzone wird auch das Empire-Haus in der Koželužská-Straße gezählt. Dieses kaufte Šebastián František Vencl im Jahr 1797 und brachte hier eine Fabrik zur Baumwollverarbeitung unter. Offensichtlich aus dieser Zeit stammt seine Form mit der Aufschrift „Labore et Favore“, also „Durch Arbeit und Gunst“ sowie dem reichlich verzierten Giebelfeld.
Ein beachtenswertes Chrudimer Haus ist auch die sog. Kotěra-Villa in der Fibich-Straße. Diese wurde lange Zeit dem bedeutenden tschechischen Architekten Jan Kotěra zugeschrieben. Ihr Urheber war jedoch sein Schüler aus der Prager Kunstindustrieschule Jan Šachl. Das Haus wurde 1907 auf Bestellung von Freunden des Projektanten, des Ehepaars Sýkora, erbaut.
Der Erholungswald „Na Podhůře“, nur drei Kilometer von Chrudim entfernt, kann sich gleich zweier interessanter touristischer Attraktionen rühmen.
Im neu eröffneten Kletterwald können sowohl Kinder als auch Erwachsene ihren Mut unter Beweis stellen. Außer Kletterhindernissen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades finden sie hier einmalige Kletterwege am Felsen oder über Seil. Bei ein bisschen Adrenalin und aktiver Bewegung muss niemand Angst um die Sicherheit haben. Um diese kümmert sich ein geschulter Instruktor, der den Besuchern, sofern Interesse besteht, gern ein paar nützliche Ratschläge erteilt.
Für die, die Lust haben, auszuprobieren, was sie können, sind zwei Rundwege unterschiedlicher Schwierigkeit mit 20 Hindernissen über eine Länge von 220 m in einer Höhe von 10 bis 3 Metern vorbereitet. Vom höchsten Punkt des Kletterwaldes aus kann man mit Hilfe eines Bügels an einem Stahlseil bergab fahren. Für Kinder von 3 bis 10 Jahren stehen 5 Hindernisse über eine Länge von 23 m zur Verfügung.
Zur Erholung vom täglichen Stress können Interessierte auch zum unweit gelegenen Aussichtsturm Bára wandern, dessen Betrieb wieder aufgenommen wurde. Er hat die Form eines dreiseitigen Balkens, der dank seiner untypischen Konstruktion von Martin Rajniš zu den europäischen und wahrscheinlich auch Weltunikaten gehört.
Das Hausen eines Wirbelsturms
Zum ersten Mal wurde der Aussichtsturm feierlich zugänglich gemacht im Juni 2008. Zimmermänner hatten damals nacheinander Lärchenbretter in die sich zuspitzende Pyramide gefügt und zwischen diese viereckige Zwischenplatten aus Latten eingesetzt. Den obersten Teil des Aussichtsturm an diesem Bau hatten dann Bergsteiger in Zusammenarbeit mit einem Spezialkran befestigt.
Allerdings hielt die leichte und luftige Konstruktion des Turms einem nicht lang nach der Eröffnung wütenden heftigen Tornado nicht stand, der auch in den umliegenden Wäldern beträchtliche Schäden anrichtete. Der Wind riss den Aussichtsturm in die Luft und zerbrach eine große Menge der Bretter in seinem unteren Anteil. Bára verlor so viel von seiner ursprünglichen 30 m messenden Höhe. Die Schäden wurden als unwiederbringlich eingestuft, weshalb es unumgänglich wurde, Bára auseinander zu nehmen und neu aufzurichten.
Der neue Turm bekam die gleiche Konstruktion. Diesmal jedoch wurden neue, die Festigkeit verstärkende Elemente zugefügt. Außer dem Aussichtsturm entstand hier auch eine Imbissbude, ein in gleicher Art wie der Aussichtsturm erbautes Häuschen aus Holz. Touristen können von hier aus nicht nur die Umgebung von Chrudim sehen, sondern auch das Adlergebirge (Orlické hory) und das Riesengebirge (Krkonoše).
Mehr Informationen (Öffnungszeiten, Reservierung usw.) über den Kletterwald und den Aussichtsturm finden Sie unter www.podhura.cz.
Sympathisch an Chrudim ist auch, dass die Stadt mit Leichtigkeit barierrefrei besichtigt werden kann. Für Interessierte sind hier gleich zwei Rundwege vorbereitet: ein oberer und ein unterer.
Parkplatz vor dem Alten Rathaus
1) Altes Rathaus
Dieses Gebäude steht auf dem Hauptplatz seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Um 1560 wurde ein ausgedehnter Umbau vollzogen. Die Barockfassade bekam das Haus 1720. Wenn Sie nach oben blicken, sehen sie die Statuen Iustitia und Caritas, die hier nach einem Brand im Jahr 1806 aufgestellt wurden. Dreißig Jahre später erschien am Turm auch eine Uhr. Außer der Stadtverwaltung war hier auch das Stadtarchiv, das Gefängnis, die Folterkammer, das Schießpulverdepot, das Kreisgericht, eine Nähschule und das Polizeiamt. Heute finden wir hier das Informationszentrum und den Sitz der Stadtpolizei.
2) Cereghetti-Haus, Pardubitzer Pforte
Ein weiterer Gegenstand unseres Interesses wird das Cereghetti-Haus und die Pardubitzer Pforte sein. Zu diesem Objekt gelangen wir, wenn wir den Durchgang in die Fortenská-Straße unter dem Alten Rathaus benutzen. Die Pardubitzer Pforte, die neben einem Haus aus dem 15. Jahrhundert eingerichtet ist, ist das interessanteste Tor für Fußgänger und liegt in der Chrudimer Befestigungsanlage.
3) Všehrd-Platz
Wir kommen über die Filištinská-Straße nach oben auf den Všehrd-Platz. Die beiden hiesigen Gebäude stehen an der Stelle des verschwundenen Dominikaner-Klosters. Seine Existenz lässt sich sei den Jahren 1308-1312 belegen. Die Überreste des Klosters dienten später dem Ausbau des Gefängnisses, das im 19. Jahrhundert Teil des Gerichtsgebäudes wurde. 1901 wurde vor dem Gericht das Denkmal des Chrudimer Sohnes und Rechtsgelehrten der Zeit des Humanismus Viktorin Kornel ze Všehrd enthüllt.
4) Erzdekankirche Mariä Himmelfahrt und Säule der Verwandlung des Herrn
Weiter gehen wir vorbei am Gebäude der Polizei in die Hradební-Straße. An deren Ende überqueren wir die Straße und gehen hinunter geradezu in Richtung auf die Kirche Mariä Himmelfahrt. Die Kirche aus dem 14. Jahrhundert wurde mehrmals umgebaut. Der letzte große Umbau geschah 1857-1880 unter der Führung von František Schmoranz sen..
Vor der Kirche, in der Mitte des Platzes, steht die barocke Sandsteinsäule der Verwandlung des Herrn aus den Jahren 1719-1732. Die Brunnen wurden der Säule in den Jahren 1842-1843 zugefügt.
5) Rozvod-Haus
Immer noch verlassen wir den Platz nicht, sondern gehen zu einem Objekt, das Rozvod-Haus genannt wird. Es ist ein Bürgerhaus aus dem Jahr 1592 mit einem gotischen Kern, Renaissance-Elementen im Innern, einer Empire-Fassade mit allegorischen Themen und figuralem Schmuck. Die gegenwärtige Gestalt bekam es in der Zeit des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert. Sein Name wird abgeleitet von der Familie Rozvod, die es in den Jahren 1787-1889 besaß.
6) Žižka-Platz
Jetzt gehen wir weiter in die Břetislav-Straße. Diese führt uns auf den sog. Žižka-Platz. Ungefähr an der Stelle der Einmündung der Břetislav-Straße auf diesen Platz befand sich das System des oberen Eingangs in die Stadt, das vier eigenständige Tore bildeten. Die Stellen, wo die Tore standen, sind auf dem Pflaster mit weißen Steinen gekennzeichnet. Über dem Platz befindet sich der Neustädter Brunnen.
7) Mydlář-Haus
Wenden wir uns zurück in die Břetislav-Straße und halten wir am sog. Mydlář-Haus an. Das Haus wurde in den Jahren 1573-1577 erbaut, zu Kosten des Chrudimer Bürgers Matěj Mydlář. Gegenwärtig schmückt es nicht nur eine wunderschöne Front mit reichem Schmuck und einem Turm in Form eines Minaretts, sondern vor allem das 1972 eingerichtete Marionettenkulturmuseum. Lassen Sie sich einen Besuch des Museums nicht entgehen, das einen barierrefreien Zugang zu den Räumlichkeiten im Erdgeschoss garantiert.
8) Sochorad
Nach dem Besuch des Museums gehen wir zurück auf den Ressel-Platz. An seiner Westseite, am Eck, steht das sog. Sochorad-Haus. Das ursprünglich gotische Haus entstand aus einer Verbindung zweier Objekte im 18. Jahrhundert. Im Jahr 1952 wurde das Sochorad-Gebäude für das Postamt adoptiert und die Post hat hier bis heute ihren Sitz.
9) Dunkle Pforte
Gehen wir weiter, diesmal in die Štěpánková-Straße. In diesem Teil der Stadt blieb der mittelalterliche Bogengang erhalten. An der linken Seite der Straße, beim Haus mit der Nummer 85, finden wir die sog. Dunkle Pforte, ebenso auch Mäuseloch genannt. Zusammen mit der Pardubitzer Pforte handelt es sich um die beiden einzigen erhaltenen Zugänge zur Stadt.
10) Geburtshaus von J. N. Štěpánek
Wenn wir die Straße weiter nach unten verfolgen, kommen wir auf der linken Seite zum Haus mit der Nummer 89. Dies ist das Geburtshaus von Jan Nepomuk Stěpánek, eines Dramatikers und eines der Direktoren des Prager Ständetheaters (1783-1844). Eine Tafel zu seinem Andenken wurde 1879 enthüllt, ein Verdienst des örtlichen Verbands der Theateramateure. Die Amateur-Theatergruppe J. N. Štěpánek ist heute noch aktiv.
11) Apotheke „Zur Goldenen Krone“
Den letzten Halt machen wir nach Überqueren der Široká-Straße (ein paar Meter oberhalb der Einmündung der Čelakovská-Straße gibt es eine barierrefreie Einfahrt) bei einem Eckhaus, wo sich die Apotheke „Zur Goldenen Krone“ befindet. In diesem Haus siedelt die Apotheke seit 1717 ununterbrochen.
Rückkehr zum Parkplatz
Parkplatz in der Straße Čs.-partyzánů unweit des Karel-Pippich-Theaters
1) Karel-Pippich-Theater - Wassergraben
Als Ausgangspunkt unserer Besichtigungsrunde haben wir den Parkplatz unweit des Karel-Pippich-Theaters gewählt. Wir begeben uns in Richtung des Wassergrabens, den wir unterhalb der Stadtmauer finden. Das System der örtlichen Wassergräben wurde schon im 15. Jahrhundert etabliert. An die Wassergräben waren Mühlen, Hammerwerke, Walken, Schleifereien und Wasserwerke angeschlossen. Jetzt befinden wir uns beim südlichen Ast des Chrudimer Wassergrabens, der in den Jahren von 1997-2003 umfassend revitalisiert worden ist.
2) Die Dunkle Pforte
Wir gehen weiter neben dem Wassergraben die Soukenická-Straße entlang. Hinter der Statue „Höchste Dreieinheit“ aus dem Jahr 1753 beeindruckt uns die städtische Befestigungsanlage mit der sog. Dunklen Pforte, auch Mäuseloch genannt. Zusammen mit der Pardubitzer Pforte handelt es sich um die beiden einzigen überlieferten Eintritte in die Stadt. Die Pforte ist 27,58 m lang und war einst angeblich mit drei festen mit Eisen beschlagenen Türen versehen. Ihre gegenwärtige Gestalt bekam sie 1841, als auch steinerne Stufen ergänzt wurden.
3) Mydlář-Haus
Den nächsten Halt erkennen Sie daran, dass Sie beim Blick nach oben über die Stadtmauer sicher ein Turm in Minarettform beeindruckt, der zum Mydlář-Haus gehört. Gegenwärtig schmückt dieses nicht nur ein nicht traditioneller Turm, sondern auch eine wunderschöne fünfachsige, zweigeschossige Loggia an der Front, mit reichlichem figuralem Schmuck. Diese kann man von der Břetislav-Straße aus sehen. Die innere Ausschmückung stellt das Museum der Marionettenkulturen sicher, das außer dem tschechischen Marionettentheater auch Marionettenkulturen verschiedener Länder aus der ganzen Welt dokumentiert.
4) Am Wasserwerk
Immer noch folgen wir dem revitalisierten Wassergraben und der Bezeichnung „Modrá osa“ (Blaue Achse). Diese führt uns bis zu dem Objekt mit der Nummer 111 auf dem Platz „U Vodárny“ (Am Wasserwerk). An dieser Stelle stand ein Wasserwerk, das 1670 das ursprüngliche Wasserwerk, das in der heutigen Soukenická-Straße stand, ersetzte. Das neue Wasserwerk pumpte das Wasser hinauf in den Wasserwerksturm Na Puši, von wo aus zwei Brunnen und das Kapuzinerkloster versorgt wurden. Das Objekt mit einem barocken Kern wurde in seine heutige Gestalt im Jahr 1852 von František Schmoranz umgebaut. Heute ist hier eine Replik des ursprünglichen Wasserrades für das untere Wasser sowie ein Restaurant untergebracht.
5) Haus zum Tuplovan-Hirschen
Von dem romantischen kleinen Platz wenden wir uns ein Stück zurück und biegen links in die Havlíčková-Straße ein. Gleich an ihrem Anfang sehen wir einen Hirschen am Eck des Hauses mit der Nummer 148. Nach der Sage erinnert der Kopf des Hirschen an den Tod des Hausbesitzers, der auf der Jagd von Hirschen tot getrampelt wurde. Eine andere Sage bemüht sich, die spätere Darstellung eines doppelten Körpers des Hirschen mit der Versöhnung zweier zerstrittener Brüder zu erklären. Nichtsdestoweniger können wir dieses Hauszeichen auch damit erklären, dass hier das Gerberhandwerk ausgeübt wurde und der Hirsch nun als Symbol für die Gerberzunft steht.
6) Die St. Katharinen-Kirche
Lassen wir uns vom „Hirschen“ weiter die Havlíčková-Straße entlang führen, bis sich vor uns die Brücke über den Fluss Chrudimka sowie ein repräsentativer Turm der gotischen St. Katharinen-Kirche zeigt. Diese stammt aus dem 14. Jahrhundert, wurde allerdings in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts grundlegend umgebaut. Die heutige Gestalt ist das Ergebnis von Reparaturarbeiten nach einem Brand im Jahr 1850. Die Kirche ist dreischiffig, mit einem fünfseitig abgeschlossenen Chor und einem Turm. Die Innenausstattung stammt aus dem 15.-19. Jahrhundert.
7) Das Karel-Pippich-Theater
Von der St. Katharinen-Kirche kommen wir zurück zum Karel-Pippich-Theater, wenn wir den Weg für Fußgänger und Radfahrer benutzen, der am linken Ufer des regulierten Flussverlaufs der Chrudimka verläuft. Nach kurzer Zeit sieht man den hinteren Teil des Theaters auf der anderen Seite des Flusses. Diesen überqueren wir erst bei der zweiten Brücke direkt beim Theater. Die erste Brücke, die von unserem Weg abzweigt, hat auf der anderen Seite keinen barierrefreien Zugang. Das Gebäude des städtischen Theaters erbauten J. Zizius und J. Kubička in den Jahren 1931-1934 im Stil des zivilen Konstruktivismus, nach einem Plan des Prager Architekten Jindřich Freiwald. Das Theater wird nach Karel Pippich benannt, einer bedeutenden Persönlichkeit des Chrudimer kulturellen Lebens am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
8) Museumsgebäudekomplex
Am Theater überqueren wir die Straße, gehen am Parkplatz vorbei, benützen den linken Gehweg und kommen über die Straße Čs. Partyzánů bis zu einer Kreuzung, hinter der sich die sog. Museumsgebäude mit einer Statue Josef Ressels im Vordergrund befinden. Hier befindet sich das Regionalmuseum, aber auch das städtische Kulturzentrum, die Chrudimer Volksakademie und das Ex-libris-Kabinett. Vor dem Regionalmuseum bemerken Sie sicherlich die Möglichkeit des barierrefreien Eingangs. So zögern Sie nicht, sondern nutzen Sie diese Möglichkeit, bevor sie nach Hause zurückkehren.
Rückkehr zum Parkplatz
Nachdem Sie also eventuell das Regionalmuseum besichtigt haben, kehren Sie auf dem gleichen Weg zurück zum Parkplatz.
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